{"id":209,"date":"2016-03-04T07:55:12","date_gmt":"2016-03-04T06:55:12","guid":{"rendered":"http:\/\/www.oel-engel.de\/blog\/?p=209"},"modified":"2025-03-11T12:21:19","modified_gmt":"2025-03-11T11:21:19","slug":"die-geschichte-simson-unternehmen-in-suhl","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.oel-engel.de\/blog\/die-geschichte-simson-unternehmen-in-suhl\/","title":{"rendered":"Die Geschichte Simson Unternehmen in Suhl"},"content":{"rendered":"<p style=\"text-align: center;\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone size-medium wp-image-213\" src=\"http:\/\/www.oel-engel.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2016\/03\/643px-Simson_Logo.svg_-300x226.png\" alt=\"643px-Simson_Logo.svg\" width=\"300\" height=\"226\" \/><\/p>\n<h2 style=\"text-align: center;\">Simson Geschichte<\/h2>\n<p>Simson ist die Kurzbezeichnung eines ehemaligen Waffen- und Fahrzeugherstellers, der im Laufe seiner Geschichte mehrmals umstrukturiert und auch umbenannt wurde. Das urspr\u00fcngliche Unternehmen wurde 1856 von den beiden j\u00fcdischen Br\u00fcdern L\u00f6b und Moses Simson in der th\u00fcringischen Stadt Suhl gegr\u00fcndet. Seine heutige Bekanntheit erlangte Simson durch die in der DDR in gro\u00dfen St\u00fcckzahlen hergestellten Zweir\u00e4der. Mit insgesamt knapp 6 Millionen hergestellten Kraftr\u00e4dern war Simson der gr\u00f6\u00dfte Zweiradhersteller Deutschlands und ist es bis heute geblieben.<\/p>\n<p><span style=\"text-decoration: underline;\"><strong>Geschichte<\/strong><\/span><br \/>\n<strong>1856\u20131933<\/strong><br \/>\nBasis des Unternehmens war anfangs eine Schneidem\u00fchle, die auf Antrag von Andreas Bauer aus Heinrichs im preu\u00dfischen Landkreis Schleusingen mit kurf\u00fcrstlicher Konzession vom 28.\u00a0Dezember 1740 in einen \u201aStahlhammer\u2018 umgewandelt wurde. In diesem \u201aStahlhammer\u2018 wurde das aus der Region gewonnene Eisenerz zu Stahl geschmiedet. Die Br\u00fcder L\u00f6b und Moses Simson erwarben 1854 ein Drittel des Betriebs und gr\u00fcndeten daraus 1856 die Firma Simson &amp; Co, die weiterhin Holzkohlenstahl produzierte, der haupts\u00e4chlich f\u00fcr die Herstellung von Jagd- und Milit\u00e4rwaffen Verwendung fand. Hauptauftraggeber waren die preu\u00dfische Armee, die Waffen unter anderem f\u00fcr den Preu\u00dfisch-Deutschen Krieg oder Deutsch-Franz\u00f6sischen Krieg von 1870 bis 1871 ben\u00f6tigte und das s\u00e4chsische Kriegsministerium.<\/p>\n<p>1871 wurde die erste Dampfmaschine in Betrieb genommen und im Folgejahr erhielt die Fabrik Staatsauftr\u00e4ge f\u00fcr die Waffenfertigung. Zwischen 1872 und 1876 wurden rund 150.000 Milit\u00e4rgewehre vom Typ Modell\u00a071 gefertigt. 1880 erfolgte zudem der Beginn der Produktion von Jagdwaffen.<\/p>\n<p>1887 lie\u00df Gerson Simson an das 1882 errichtete Wohnhaus in Suhl Werkst\u00e4tten, B\u00fcro, Revision und Magazin anbauen. 1893 wurde die Produktion von Pr\u00e4zisionsrichtmitteln f\u00fcr die Artillerie aufgenommen. Hauptabnehmer war die Firma Krupp.<\/p>\n<p>Ab 1896 erweiterte Simson seine Produktpalette und stellte die ersten Fahrr\u00e4der, die englischen Vorbildern \u00e4hnelten, her. Die Firma Simson wurde bald zu einem der gr\u00f6\u00dften Fahrradproduzenten. 1908 kam es zu Streiks in der Belegschaft, die die Wiedereinstellung von zw\u00f6lf entlassenen Kollegen sowie den Einbau von \u00d6fen undVentilatoren in einigen Abteilungen forderte. Der Streik endete mit Teilerfolgen f\u00fcr die Mitarbeiter.<\/p>\n<p>1907 begann die Entwicklung von Personenkraftwagen. F\u00fcr die Produktion war eine ehemalige M\u00f6belfabrik in Suhl ersteigert worden. Die Entwicklungsarbeiten waren von mehreren Fehlschl\u00e4gen gezeichnet. Erst 1911 gelang die Konstruktion eines markttauglichen Modells, nachdem der Automobilexperte Paul Henze f\u00fcr mehrere Monate gewonnen worden war. Nach dessen Konstruktionsunterlagen baute der Ingenieur Fritz Hattler Versuchsmuster eines Kleinwagens. 1911 wurde der erste Pkw(Simson A) mit 4-Zylinder-Motor gebaut und ging in Serienproduktion. Aufgrund der Untermotorisierung wurden jedoch nur wenige Exemplare verkauft. Es folgte die Entwicklung von Varianten mit mehr Leistung.<\/p>\n<p>Wurden 1855 gerade 20 Mitarbeiter besch\u00e4ftigt, so gab es 1904 schon 1200 und 1918 etwa 3500 Besch\u00e4ftigte beim gr\u00f6\u00dften Arbeitgeber Suhls. W\u00e4hrend des Ersten Weltkrieges kam es zu einem starken Wachstum und das Unternehmen konnte zwischen 1915 und 1917 seine Produktion vervierfachen. Simson fertigte Teile f\u00fcr Maschinengewehre, Gewehre, kleine Gesch\u00fctze, Flugmotoren und Sanit\u00e4tskraftwagen.<\/p>\n<p>Nach dem Ersten Weltkrieg musste die Waffenproduktion eingestellt werden. Allerdings konnte Simson am 25. August 1925 mit der Reichswehr einen Monopolvertrag zur Lieferung von leichten Maschinengewehren, Gewehren, Karabinern und Pistolen abschlie\u00dfen. Infolge des Friedensvertrags von Versailles war das Unternehmen zuvor von den Alliierten zum alleinigen Ausr\u00fcster bestimmt worden. Daneben begann das Unternehmen 1924 die Serienproduktion von Automobilen der Luxusklasse, insbesondere des Modells Simson Supra, das auch im Rennsport erfolgreich fuhr. Ab 1930 wurden auch Kinderwagen hergestellt.<\/p>\n<p>Die Monopolstellung als einer der wenigen offiziellen Waffenlieferanten der Reichswehr erm\u00f6glichte es Simson, die Weltwirtschaftskrise von 1929 gut zu \u00fcberstehen, w\u00e4hrend die lokale Konkurrenz von vielen Firmenzusammenbr\u00fcchen betroffen war. Dies f\u00fchrte zu Beschwerden und Klagen \u00fcber die staatlichen Subventionen sowie zur Forderung des Verbandes der Suhler Gewehrfabrikanten e.V., Heeresauftr\u00e4ge nicht nur an die Firma Simson zu vergeben. Die Anfeindungen wurden von den Nationalsozialisten aufgegriffen, um die \u201ej\u00fcdischen\u201c Gesch\u00e4ftsf\u00fchrer Arthur und Julius Simson anzugreifen und zu diffamieren.<\/p>\n<p><strong>1933\u20131945<\/strong><br \/>\nSchon kurz nach der Macht\u00fcbernahme der Nationalsozialisten startete der th\u00fcringische Gauleiter Fritz Sauckel ein Untersuchungsverfahren mit der Begr\u00fcndung, das Deutsche Reich sei durch das \u201ej\u00fcdische\u201c Unternehmen bei der Abrechnung der staatlichen Auftr\u00e4ge \u00fcbervorteilt worden. Obwohl der Reichsrechnungshof keine \u00fcberm\u00e4\u00dfigen Gewinne feststellen konnte, kam es auf Initiative von Sauckel 1934 in Meiningen zu einem Schauprozess gegen Arthur Simson und einige leitende Angestellte wegen \u201e\u00dcbervorteilung des Reiches\u201c. Allerdings mussten die inhaftierten Angeklagten ein Jahr sp\u00e4ter aus Mangel an Beweisen in allen Punkten freigesprochen werden.<\/p>\n<p>Schon zuvor am 19. September 1933 hatte die Firma Simson &amp; Co KG das Unternehmen an die neu gegr\u00fcndete Berlin-Suhler Waffen- und Fahrzeugwerke GmbH verpachtet, um den Familiennamen aus dem Firmennamen zu entfernen. Als Treuh\u00e4nder wurde Herbert Hoffmann, ein Berliner Kaufmann und NSDAP-Mitglied, eingesetzt. Die Kontrolle \u00fcber ihre Firma war dadurch der Familie Simson entzogen worden und auf den Treuh\u00e4nder Hoffmann \u00fcbergegangen. Zwecks Arisierungwurde das Unternehmen mit einem Wert von zirka 18 Millionen Reichsmark und einem Jahresgewinn 1934 von rund 1,6 Millionen Reichsmark Friedrich Flick f\u00fcr einen Preis von 8 bis 9 Millionen Reichsmark angeboten. Flick lehnte dies aber nach l\u00e4ngeren Verhandlungen ab.<\/p>\n<p>Am 1. September 1934 wurde die Automobilproduktion zu Gunsten der R\u00fcstungsproduktion eingestellt.<\/p>\n<p>Im August 1935 erwirkte Sauckel ein Revisionsverfahren vor dem Oberlandesgericht Jena, diesmal unter Ausschluss der \u00d6ffentlichkeit. Das endete mit einem Schuldspruch und einer Geldbu\u00dfe von 9,75 Millionen Reichsmark gegen die Inhaber. Der angebliche \u00dcbergewinn wurde durch die deutsche Revisions- und Treuhand AG errechnet. Das n\u00f6tige Geld konnte nur durch einen unter Waffengewalt erzwungenen Verzicht der Eigent\u00fcmer Julius und Arthur Simson auf das Werk beglichen werden, so dass am 28. November 1935 das Unternehmen auf Fritz Sauckel \u00fcbertragen wurde. Die Familie Simson konnte 1936 in die Schweiz fliehen und wanderte in die USA aus. Der Name Simson wurde schlie\u00dflich aus der Firmenbezeichnung gestrichen.<br \/>\n<strong>Logo der Gustloff-Werke<\/strong><br \/>\nDas \u00fcbernommene Verm\u00f6gen bildete in der Folge den Grundstock f\u00fcr die 1936 gegr\u00fcndete Wilhelm-Gustloff-Stiftung. Im gleichen Jahr lief unter dem Namen BSW\u00a098 in Suhl das erste motorisierte Zweirad der Firma vom Band, das damals noch als Motor-Fahrrad galt. Mit Beginn des Zweiten Weltkrieges wurde die Produktion von Fahrr\u00e4dern, Kinderwagen und Motorr\u00e4dern eingestellt und auf Waffenfertigung umgestellt. 6000 Mitarbeiter fertigten in den ab 1939 bezeichneten Gustloff-Werke \u2013 Waffenwerk Suhl diverse Kriegswaffen wie Karabiner, Maschinengewehre und leichte Flugabwehrkanonen. So betrug schon 1940 der Umsatz mit milit\u00e4rischen Erzeugnissen knapp 43 Millionen Reichsmark, w\u00e4hrend der Umsatz der zivilen Produktion, die im darauffolgenden Jahr eingestellt wurde, nur etwa 3,3 Millionen Reichsmark betrug. Unter anderem wurden in Suhl allein im Jahr 1944 fast 62.000 Exemplare des MG\u00a042 oder 2500 Lafetten f\u00fcr die 2-cm-Flak 38 hergestellt. Neben dem Stammwerk entstand 1938 in Schmiedefeld am Rennsteig ein Zweigwerk zur Lauffertigung von Maschinengewehren. Das sogenannte Rennsteigwerk lag direkt am Bahnhof Rennsteig. 1940 folgten eine Betriebsst\u00e4tte in Meiningen f\u00fcr die Produktion der Panzerb\u00fcchse 39 und des MG 13 sowie ein Werk in Greiz f\u00fcr die Fertigung von Gewehrl\u00e4ufen. Schlie\u00dflich nahm 1942 in Litzmannstadt ein weiteres Zweigwerk die Fertigung des MG 42 auf, die im August 1944 nach Suhl verlagert wurde.<\/p>\n<p><strong>1945\u20131990<\/strong><\/p>\n<p>VEB Fahrzeug-und Ger\u00e4tewerk Simson-Suhl (1959)<br \/>\nNach dem Zweiten Weltkrieg wurde das Werk von den Alliierten als R\u00fcstungsbetrieb eingestuft und 1946 weitgehend demontiert. Etwa 4300 Maschinen wurden als Reparationszahlungen in die Sowjetunion transportiert. Mit den verbliebenen, knapp 900 Anlagen begann die Produktion von Jagdwaffen, Kinderwagen und Fahrr\u00e4dern, die gr\u00f6\u00dftenteils als weitere Reparationen in die Sowjetunion gingen. 1947 wurde der Betrieb in die Weimarer Zweigstelle der sowjetischen Aktiengesellschaft SAG Awtowelo (AWO) eingegliedert.<\/p>\n<p>Ende 1948 erhielt das Werk von der Sowjetischen Milit\u00e4radministration (SMAD) den Befehl, ein Motorrad mit einem 250-cm\u00b3-Viertaktmotor zu bauen, die sp\u00e4tere AWO 425. Bereits 1950 konnte die Produktion des der EMW beziehungsweise BMW R 25\u00e4hnelnden Maschine aufgenommen werden, von der bis zur Produktionseinstellung Ende 1961 etwa 210.000 St\u00fcck hergestellt wurden. Mit dem Hochfahren der Mopedproduktion wurde 1957 die Produktion von Fahrr\u00e4dern eingestellt.<\/p>\n<p><strong>\u00a0<\/strong><br \/>\n<strong>Mit dem SR1 begann 1955 die Mopedproduktion<\/strong><\/p>\n<p>Simson-Emblem am Tank eines Motorrades der Streitkr\u00e4fte der Deutschen Demokratischen Republik im Milit\u00e4rhistorischen Museum der Bundeswehr<br \/>\nAm 1. Mai 1952 wurde der von nun an volkseigene Betrieb als VEB Fahrzeug und Ger\u00e4tewerk Simson Suhl in der sp\u00e4teren IFA \u2013 Industrieverband Fahrzeugbau der DDR, eingegliedert. Produziert wurden neben der AWO 425 ab 1955 auch Mopeds,Mokicks und Roller. Aufgrund des Beschlusses, die Motorradproduktion in der DDR nur von MZ durchf\u00fchren zu lassen, folgte ab 1962 nur noch der Bau von Mopeds und anderen Kleinkraftr\u00e4dern. Diese Aufteilung der Marktsegmente blieb bis zum Ende der DDR bestehen. Mit dem Produktionsbeginn der Schwalbe im Jahr 1964 und des S50 im Jahr 1975 wurden die in der DDR bekanntesten und weitestverbreiteten Kleinkraftr\u00e4der hergestellt.<\/p>\n<p>Nachdem zwischenzeitlich zwecks Erh\u00f6hung der Mopedproduktion die Waffenherstellung in das \u201eVEB Ernst-Th\u00e4lmann-Werk Suhl\u201c ausgelagert wurde, kam es zum Jahresbeginn 1968 wieder zur Zusammenlegung der Werke, woraufhin der Betrieb ab diesem Zeitpunkt VEB Fahrzeug- und Jagdwaffenwerk \u201eErnst Th\u00e4lmann\u201c hie\u00df. Ende der 1980er-Jahre hatte das Suhler Werk etwa 4000 Mitarbeiter, die pro Jahr knapp 200.000 Kleinkraftr\u00e4der produzierten. Die Mopeds wurden ab den 1970er Jahren international fast nur im Ostblock verkauft, au\u00dferdem auch im Orient und in Afrika. Sie entsprachen einigen Autoren zufolge nicht mehr dem Qualit\u00e4ts- und Entwicklungsstandard, wobei auch in den 1980er Jahren noch Moderne Produkte wie der SR50 auf den Markt kamen, f\u00fcr den sogar ein Elektromotor entwickelt wurde.<\/p>\n<p><strong>Das Ende des VEB Simson Suhl (1990\u20131991)<\/strong><br \/>\nIm Zuge der politischen Wende 1989\/1990 wurde der volkseigene Betrieb Fahrzeug- und Jagdwaffenwerk \u201eErnst Th\u00e4lmann\u201c Simson Suhl der Treuhandverwaltung unterstellt und aus formalen Gr\u00fcnden in die beiden Gesellschaften Simson Fahrzeug GmbH sowie Jagd- und Sportwaffen GmbH in Privateigentum \u00fcbergef\u00fchrt. In dieser Zeit brach der Exportmarkt f\u00fcr Simson infolge der politischen Ver\u00e4nderungen schlagartig zusammen. Auch die Nachfrage im Inland ging stark zur\u00fcck. Die meisten der 4000 Mitarbeiter wurden entlassen und die Produktion verringerte sich auf nur noch 5000 Kleinkraftr\u00e4der im Jahr 1991. Im M\u00e4rz des Jahres wurde die Liquidierung des Unternehmens durch den Vorstand der Treuhandanstalt eingeleitet, die Produktion kam zum 31. Dezember 1991 zum Erliegen.<\/p>\n<p><strong>Besondere Marktsituation nach 1990<\/strong><br \/>\nSimson stand in den 1990er Jahren einer ungew\u00f6hnlichen und schwierigen Marktsituation gegen\u00fcber. Die Nachfrage nach Klein- und Leichtkraftr\u00e4dern war generell stark gesunken. Viele, die bis dahin das Moped zum allt\u00e4glichen Gebrauch nutzten, waren auf den nun leichter verf\u00fcgbaren PKW umgestiegen. Westdeutsche Hersteller wie Hercules, Z\u00fcndapp oder Kreidler hatten ihre Mopedproduktion bereits stark reduziert oder g\u00e4nzlich eingestellt. Die noch bestehende Nachfrage wurde durch Importfahrzeuge aus Niedriglohnl\u00e4ndern abgedeckt. Die gr\u00f6\u00dfte Konkurrenz f\u00fcr Simson kam allerdings aus eigenem Hause \u2013 der Markt wurde von Gebrauchtfahrzeugen aus der DDR \u00fcberstr\u00f6mt. Das massive \u00dcberangebot hatte niedrige Preise zur Folge, viele Simsons wurden einfach verschenkt. Obendrein blieb f\u00fcr diese \u00e4lteren Fahrzeuge die attraktive 60-km\/h-Ausnahmeregelung erhalten, w\u00e4hrend neue Kleinkraftr\u00e4der nur noch maximal 50 km\/h schnell sein durften. Unter diesen Bedingungen gelang es Simson, eine stabile Produktion wieder aufzubauen. Das weitere Schicksal der Traditionsmarke zeigt, dass es letztlich nicht gelang, sich auf dem Zweiradsektor zu etablieren. Von 1992 bis 2002 wurden insgesamt etwa 47.000 Mofas, Kleinkraft- und Leichtkraftr\u00e4der verkauft. Zum Vergleich: in den 1980er Jahren betrug der Jahresaussto\u00df bei Simson knapp 200.000 Fahrzeuge.<\/p>\n<p><strong>Gr\u00fcndung der Suhler Fahrzeugwerk GmbH und neue Modellbezeichnungen<\/strong><br \/>\nEnde 1991 schlossen sich einige der ehemaligen Mitarbeiter zur \u201eSuhler Fahrzeugwerk GmbH\u201c zusammen und nahmen Anfang 1992 die Fertigung wieder auf. Dabei konnte auf die Produktionsanlagen, das umfangreiche Know-how und technische Unterlagen zur\u00fcckgegriffen werden. Die meisten Zuliefererbetriebe waren zugrunde gegangen, sodass es auf neue Kontakte ankam.<\/p>\n<p>Zun\u00e4chst wurde die Produktion der bekannten Typen mit leichten Modifikationen fortgesetzt. Unter anderem entfiel die beliebte 60 km\/h-Ausf\u00fchrung, weil die betreffende DDR-Regelung, dass Kleinkraftr\u00e4der bis zu 60 km\/h fahren d\u00fcrfen, nicht in bundesdeutsches Recht \u00fcbernommen worden war. Dennoch gelang es, in kleinem Ma\u00dfstab eine stabile Produktion aufzubauen. Mit optischen Modifikationen, technischen Extras und griechischen Buchstaben als Modellbezeichnung gelang es ab 1993, die neuen Simsons deutlicher von der Masse der Gebrauchtfahrzeuge abzuheben und moderner erscheinen zu lassen. Die Neuerungen brachten jedoch erh\u00f6hte Kosten mit sich, weshalb die Modellpolitik der alpha-, beta- und gamma-Serie nur wenige Jahre lang verfolgt werden konnte.<\/p>\n<p>In diesem Zeitabschnitt gab es einige Innovationen bei Simson. 1992 wurde ein Lastendreirad Typ SD 50 in die Fertigung aufgenommen, das eine Marktnische ausf\u00fcllen sollte. Ebenfalls innovativ war der Kleinroller gamma E mit Elektromotor. Infolge gro\u00dfer Produktionskosten und nicht ausgereifter Akku-Technik wurde dessen Fertigung nach kurzer Zeit wieder eingestellt.<\/p>\n<p><strong>Produktvielfalt und Niedergang von Simson (1996\u20132003)<\/strong><br \/>\nDas Jahr 1996 markierte einen Wendepunkt f\u00fcr Simson. Die Modellpalette wurde erheblich ausgeweitet und diverse Neuentwicklungen in Serie \u00fcbergef\u00fchrt. Die Bezeichnung in griechischen Buchstaben wurde aufgegeben, stattdessen wurden die bereits zu DDR-Zeiten verwendeten Vogelnamen aufgegriffen. Neben diversen aufgewerteten Fahrzeugen wurden auch wieder die einfachen Grundausstattungen der in der DDR entwickelten Typen S53 und SR50\/1 zu relativ niedrigen Preisen angeboten. Am anderen Ende der Skala kamen ein moderner Scooter mit stufenlosem Automatikgetriebe, sportliche Mokicks mit Zentralfederbein und andere Typen ins Angebot. 1998 stieg man mit einer Motorrad-Neuentwicklung in die 125er Klasse ein.<\/p>\n<p>Doch Simson verkalkulierte sich zusehends. Die neu entwickelten Fahrzeuge verkauften sich nur schleppend. Sie wiesen diverse konstruktive Schw\u00e4chen auf und waren den alten ausgereiften DDR-Baumustern nicht ebenb\u00fcrtig. Auch die Entwicklung und Markteinf\u00fchrung des Motorrades Simson Schikra gestaltete sich kostenintensiv und fehlerbehaftet. Unverst\u00e4ndlich erscheint es auch, dass keine Anstrengungen zur Erschlie\u00dfung von Exportm\u00e4rkten unternommen wurden. Im Januar 2000 war es so weit: Die Suhler Zweirad GmbH, die 1997\/98 schrittweise die bisherige Suhler Fahrzeugwerk GmbH \u00fcbernommen hatte, musste Insolvenz anmelden. Auch politisch motivierte Unterst\u00fctzung durch das Land Th\u00fcringen in Form der TIB (Th\u00fcringer Industrie Beteiligungsgesellschaft) konnte das Scheitern nicht verhindern.<\/p>\n<p>Ein neuer Investor, der Engineering-Dienstleister KONTEC, setzte die Produktion ab Juni 2000 mit nochmals stark reduzierter Mitarbeiterzahl unter dem Namen SIMSON MOTORRAD GmbH &amp; Co KG fort. Innovationen bei den 125er Motorr\u00e4dern und sp\u00e4ter auch den Kleinkraftr\u00e4dern sollten dem Unternehmen zu neuem Erfolg verhelfen. Zahlreiche, teilweise virtuose Entw\u00fcrfe wie Simson Insect, Schwalbe II, das Kick-Board Raven und ein Superbike \u201eSimson Hyper-Bike\u201c zeugen von gro\u00dfen Vorhaben des damaligen Investors. So ambitioniert die Entw\u00fcrfe auch erscheinen m\u00f6gen \u2013 sie lassen eine eklatante Fehleinsch\u00e4tzung der realen Marktlage und der M\u00f6glichkeiten am Produktionsstandort in Suhl erkennen. Die Nachfrage nach einfachen, robusten Kleinkraftr\u00e4dern wurde verkannt. 95\u00a0% der seit 1992 verkauften Fahrzeuge waren auf den DDR-Baumustern S53 und SR50\/1 basierende Modelle. Fehler in der Gesch\u00e4ftsf\u00fchrung f\u00fchrten au\u00dferdem zu st\u00e4ndigen Lieferschwierigkeiten. Simson verzettelte sich zusehends. Schlie\u00dflich ruinierte man das Image der Traditionsmarke noch durch den Vertrieb von billigen Importfahrzeugen unter dem Namen Simson. Im Juni 2002 musste Simson erneut Insolvenz anmelden. Bald darauf, am 30. September desselben Jahres, wurde die Fahrzeugproduktion endg\u00fcltig eingestellt. Weil sich kein neuer Investor fand, kam es am 1. Februar 2003 zur Zwangsversteigerung des gesamten Betriebsverm\u00f6gens inklusive der Produktionsanlagen.<\/p>\n<p>Parallel dazu wurde am 1. Juli 1996 die Liquidation der Suhler Fahrzeugwerk GmbH wieder aufgehoben und mit v\u00f6llig neuer Struktur als Simson Gewerbepark GmbH gegr\u00fcndet. Sp\u00e4ter erfolgte noch eine Umbenennung in TLG Gewerbepark Simson GmbH. Dieses Unternehmen, eine Tochtergesellschaft der TLG Immobilien GmbH, existiert bis heute (Stand 2012) und unterh\u00e4lt die Immobilien der ehemaligen Produktionsst\u00e4tten und verwaltet die Markenrechte.<\/p>\n<p><strong>Ab 2003<\/strong><br \/>\nIm Mai 2003 hat die seit 1993 bestehende MZA (Meyer-Zweiradtechnik-Ahnatal) GmbH beinahe alle Verm\u00f6genswerte, wie die Waren- und Lagerbest\u00e4nde, Produktionsvorrichtungen sowie Zeichnungs- und Urheberrechte des letzten direkten Simson-Nachfolgeunternehmens nach dessen Insolvenz aufgekauft. Weiterhin wurde eine Vereinbarung \u00fcber die Nutzung des Markennamens Simson mit der TLG Gewerbepark Simson GmbH geschlossen. Somit ist MZA kein direktes Simson-Nachfolgeunternehmen mehr. Im Unterschied zu allen vorhergehenden Simson-Unternehmen produziert MZA auch keine Neufahrzeuge mehr, sondern am Standort Suhl nur noch Ersatzteile f\u00fcr fast alle bisher gebauten Simson-Modelle. Die Produkte k\u00f6nnen vom Endverbraucher nur \u00fcber H\u00e4ndler bezogen werden.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Quelle: <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Simson_(Unternehmen)\" target=\"_blank\">Wikipedia<\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Simson Geschichte Simson ist die Kurzbezeichnung eines ehemaligen Waffen- und Fahrzeugherstellers, der im Laufe seiner<\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":199,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[9],"tags":[30],"class_list":["post-209","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-auto-motorrad-und-co","tag-simson"],"aioseo_notices":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.oel-engel.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/209","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.oel-engel.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.oel-engel.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.oel-engel.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.oel-engel.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=209"}],"version-history":[{"count":5,"href":"https:\/\/www.oel-engel.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/209\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":221,"href":"https:\/\/www.oel-engel.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/209\/revisions\/221"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.oel-engel.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/media\/199"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.oel-engel.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=209"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.oel-engel.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=209"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.oel-engel.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=209"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}