Ölwechsel, Werkstatt, Hof, welche Sicherheitsschuhe passen zu rutschigen Böden?
Bild: Mehmet Talha Onuk via Unsplash
Wer regelmäßig Öl wechselt, Getriebe befüllt oder Maschinen abschmiert, kennt das Problem. Ein paar Tropfen auf dem Hallenboden reichen, und der sichere Stand ist dahin. In der Hobbywerkstatt fällt das oft erst auf, wenn man ausrutscht, in Betrieben mit Werkstatt, Fuhrpark oder Instandhaltung gehört die Frage nach dem richtigen Schuhwerk dagegen zur Gefährdungsbeurteilung. Zwei Kürzel tauchen dabei besonders häufig auf, nämlich S1P und S3. Beide stehen für Sicherheitsschuhe nach DIN EN ISO 20345, sie sind aber für unterschiedliche Umgebungen gedacht.
Was die Kürzel S1P und S3 bedeuten
Jeder Sicherheitsschuh nach dieser Norm hat eine Zehenschutzkappe, die für eine Prüfenergie von 200 Joule ausgelegt ist. Das schützt zum Beispiel, wenn ein Werkzeug, eine Bremsscheibe oder ein volles Ölgebinde herunterfällt. Die Klasse S1 ergänzt einen geschlossenen Fersenbereich, antistatische Eigenschaften und eine Energieaufnahme im Fersenbereich, die beim Gehen auf hartem Boden entlastet. Das P in S1P steht für einen Durchtrittschutz in der Sohle, der vor spitzen Gegenständen wie Schrauben oder Metallspänen schützt. Seit der Überarbeitung der Norm im Jahr 2022 wird dabei genauer unterschieden. Ein P allein bezeichnet eine metallische Einlage, die Zusätze PL und PS stehen für nichtmetallische Varianten.
Die Klasse S3 baut auf S2 auf. Sie enthält also alle Eigenschaften von S1, dazu ein Obermaterial, das Wasser nur begrenzt durchlässt und aufnimmt. Hinzu kommen der Durchtrittschutz und eine profilierte Sohle. Damit ist S3 vor allem für Arbeiten gedacht, bei denen Nässe, Matsch oder unebener Untergrund eine Rolle spielen.
Öl und Fett als Härtetest für die Sohle
Für alle, die mit Schmierstoffen arbeiten, sind zwei Punkte auf dem Etikett besonders interessant. Der erste betrifft die Rutschhemmung. Nach der aktuellen Normfassung ist ein Rutschtest auf Keramikfliesen mit einer Reinigungsmittellösung Grundanforderung. Ein zusätzlicher Test auf Fliesen mit Glycerin, einem zähflüssigen Gleitmittel, wird mit dem Kürzel SR gekennzeichnet. Wer häufig auf Böden mit Ölfilm oder Fettresten steht, sollte gezielt auf dieses Kürzel achten.
Der zweite Punkt ist die Kraftstoffbeständigkeit der Sohle. In der älteren Normfassung war sie bei S1 bereits enthalten, seit 2022 gehört sie nicht mehr automatisch dazu. Ist die Sohle entsprechend geprüft, steht das Kürzel FO auf dem Schuh. Gerade in Werkstätten, in denen Motoröl, Diesel oder Bremsenreiniger zum Alltag gehören, lohnt sich deshalb ein Blick auf die Kennzeichnung in der Lasche, denn zwei Schuhe mit derselben Schutzklasse können sich hier unterscheiden. Neben der Schutzklasse ist auf dem Etikett in der Regel auch die Normfassung mit Jahreszahl angegeben. Das hilft, wenn ältere und neuere Modelle im selben Betrieb nebeneinander genutzt werden.
Halle oder Hof, wo welcher Schuh seine Stärken hat
In der beheizten Werkstatt mit glattem Boden sind S1P Schuhe für viele die erste Wahl. Sie sind meist leichter und luftiger als wasserabweisende Modelle, was bei langen Tagen an der Hebebühne oder an der Werkbank angenehm ist. Der Durchtrittschutz bleibt trotzdem an Bord, falls auf dem Boden doch eine Schraube liegt. Wer überwiegend drinnen arbeitet und selten durch Pfützen läuft, braucht die zusätzliche Wasserdichtigkeit von S3 in der Regel nicht.
Anders sieht es aus, sobald die Arbeit nach draußen verlagert wird. Wer Traktoren auf dem Hof wartet, Landmaschinen auf dem Feld abschmiert, Boote am Steg betreut oder im Winter Fahrzeuge auf dem Außengelände versorgt, steht schnell im Nassen. Hier spielt die Profilsohle ihre Stärke aus, und das wasserabweisende Obermaterial hält die Füße länger trocken. Kalte, nasse Füße sind nicht nur unangenehm, sie machen auch unaufmerksam.
Viele Werkstätten mit gemischten Aufgaben entscheiden sich deshalb für eine einfache Regel. Drinnen der leichtere Schuh, draußen der robustere. Wer für solche Einsätze S3 Schuhe kaufen möchte, achtet am besten zusätzlich auf die Kürzel SR und FO, denn die Schutzklasse allein sagt nichts darüber aus, wie sich die Sohle auf einem öligen Boden verhält.
Pflege verlängert den Schutz
Ein Sicherheitsschuh schützt nur so lange, wie er in gutem Zustand ist. Öl und Fett sollten nicht dauerhaft auf Leder und Sohle bleiben, sondern regelmäßig mit einem feuchten Tuch entfernt werden. Abgelaufene Profile, rissige Sohlen oder eine Schutzkappe, die einen harten Schlag abbekommen hat, sind Anlass für einen Austausch. Ein kurzer Blick auf die Schuhe beim Ölwechsel kostet kaum Zeit und gehört genauso zur Routine wie der Blick auf den Ölstand.